Vinicio Bastidas - Zeichnungen
 

Historisches Gedächtnis und rhizomatische Geschichtlichkeit – Jet Lag von Vinicio Bastidas

Anabel Roque Rodríguez

Vinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio BastidasVinicio Bastidas

“Ich träume von einem Intellektuellen, der Beweise und Universalismus zerstört, der auf die Schwächen, die Öffnungen, die Stärken hinweist, der sich ständig bewegt und nicht genau weiß, wo er sich mogen befindet, oder was passieren wird, da er seine ganze Aufmerksamkeit auf die Gegenwart richtet; einer der, wo immer er hingeht, dazu beitragen wird, die Frage zu stellen, ob die Revolution sich gelohnt hat (und welche Revolution, welche Mühe sich lohnt), wohlwissend, dass diese Fragen nur von denjenigen beantwortet werden können, die bereit sind, ihr Leben dafür zu opfern.”

Michel Foucault, Macht und Sex, 1977


Die Bedeutung, die man der Geschichte gibt, bestimmt die Art und Weise, wie man die Gegenwart versteht. Historisches Gedächtnis ist subjektiv. Das Gedächtnis von Ländern und Leuten baut auf die Erinnerung an Ereignisse, besonders die, die Etappen ihrer Geschichte ausmachen. Nichtsdestotrotz reflektiert die Bedeutung vom Gedächtnis nicht zwangsläufig die historischen Verzeichnisse der Ereignisse und sie entspricht auch nicht immer der tatsächlichen Wahrheit. Das kollektive Gedächtnis kann Deutungen, Fragmente, Vergessenes oder sogar die Geschichtlichkeit von Dingen wiederspiegeln, die gar nicht stattgefunden haben, und die trotzdem wie “Geschichte” wegkommen; so können unterschiedliche Bedeutunge, zwischen Einzelpersonen und der Kollektivität entstehen. Was bleibt sind getrennte Erinnerungen: für manche ist die Vergangenheit eine Anhäufung von traumatischen Ereignissen, andere glorifizieren genau diese Ereignisse.  

An wen erinnern wir uns in Geschichte? Was denken wir über Geschichtlichkeit? Kann Geschichte auch eine körperliche Erfahrung erzeugen? Aus diesen Fragen entsteht die Ausstellung Jet Lag von Vinicio Bastidas. Das Jet lag ist ein Phänomen, was Körper und Seele erleiden, wenn sie sich plötzlich in Zeit und Raum bewegen, es ist eine unbalancierte Situation zwischen der inneren Uhr einer Person und der neuen Zeit, die auf Fernreisen entsteht. Das individuelle Gewissen steht dem Rhythmus eines anderen Ortes und einer anderen zeit entgegen. Der Künstler Vincio Bastidas wendet den Begriff Jet Lag an, um verschiedene Seiten der ecuadorianischen Geschichte zu durchleuchten. Seine Perspektive als Migrant, der in Deutschland lebt und arbeitet, erlaubt ihm eine gewisse Distanz und spiegelt gleichzeitig, aufgrund der Verletzlichkeit seines Daseins als Migrant, den Aufbau von Geschichte und die Rolle der Macht wieder.

Jeder Künstler entwickelt seine eigene visuelle Sprache, um ein bestimmtes Thema auszugestalten. Bastidas benutzt Zeichnungen und verschiedene Materialien, um der Geschichte zu begegnen. Wir finden den Künstler mitten im Diskurs: seine Sprachen, Deutsch und Spanisch, stehen für seine Realität als Migrant; die Bilder der Geschichte, abstrahiert in seinem künstlerischen Prozess und verwandelt in Dokumente zwischen Fiktion und Realität; die Objekte, die auf dem menschlichen Körper basieren, und die die kollektive Geschichte durch ein konkretes individuelles Objekt erzählen, wie ein Gebiss oder echte Zähne.

© 2019 Vinicio BastidasLinks  |  Sitemap  |  Impressum  |  Top  |  Drucken